Torhüter

Mai 6th, 2016 | Posted by Tanja in Allgemein

Der Sommer kündigt sich an – laut und deutlich in Form von Transferspekulationen. Und wo der gemeine Fan dachte, der HSV hätte eine ganze Menge Probleme, aber keins auf der Torhüter-Position, tut sich da plötzlich eine große Baustelle auf.
Torhüter hat der HSV übrigens reichlich, wenn man perspektivisch den Nachwuchs mit einbezieht (und das ist ja im Leitbild verankert, nech?). Da wären:
Jakob Golz, U19 – baut gerade sein Abi, hat danach einen dualen Ausbildungsvertrag in der Tasche und einen HSV-Vertrag bis 2018. Name kommt euch bekannt vor? Jepp, ist der Sohnemann von Richard. Wenn man das Leitbild ernst nimmt, ist Jakob Golz spätestens in drei bis vier Jahren Profi beim HSV.
Johannes Kreidl, österreichischer U21-Torwart – gerade verliehen in die Nähe des Nordpols, da kann er sich schon mal mit Robben befassen.
Tom Mickel, mittlerweile 27 Jahre alt – beim HSV ausgebildet, dann wegen Perspektivlosigkeit zu Greuther fürth gewechselt, kam dort nicht an Wolfgang Hesl vorbei, der beim HSV ausgebildet wurde und wegen Perspektivlosigkeit zu Greuther fürth wechselte. Mickels Vertrag in Fürth wurde vergangenen Sommer nicht verlängert, weshalb er als U23-Torwart zum HSV zurückkam. Daher gab’s dort dann keine Spielpraxis für den 20-jährigen Kreidl. Für Mickel aber auch nicht wirklich, weil dann kam noch…
Andreas Hirzel, Schweizer, 23 Jahre – wurde als Nummer Drei verpflichtet, zunächst nur für den Profikader. Dann kam man auf die Idee, dass Spielpraxis eigentlich ja auch eine gute Sache wäre. Seit dem kommt er regelmäßig (wenn er nicht gerade verletzt ist…) in der U23 zum Einsatz.
Tino Dehmelt, langjähriger U23-Torwart – nach meinem Dafürhalten ein mittelmäßiger Regionalliga-Torwart. Ist jetzt auch nebenbei Torwart-Trainer in der HSV-Jugend.
Mitgezählt? Zu Beginn der Saison 2015/2016 kommen wir somit auf vier Regionalliga-Torhüter. Alexander Brunst, vorher designierte Nummer Drei der Profis und wirklich junger U23-Torwart, wurde zur U23 von WOB abgegeben, also kaufte man alle Torhüter, die nicht bei drei auf den Bäumen waren. Nunja, das ist also die zweite Garde, aber da gibt’s ja noch unsere beiden „echten“ Profi-Torhüter.
Rene Adler, 31, ehemaliger Nationaltorwart, verletzungsanfällig, Topverdiener, Vertrag bis 2017.
Jaroslav Drobny, 36, ehemaliger Nationaltorwart, Held, Vertrag bis 2016 mit einem Jahr vereinsseitiger Option.

Adler hat eine sehr gute Saison gespielt und seine Verletzungsanfälligkeit lässt alle relativ cool, weil dann halt der „abgewichste Hund“ (Bruno) und „alte Ochse“ (Ostrzolek) ins Tor geht. Beide Torhüter haben ihre Stärken und Schwächen, wären daher prädestiniert für ein Job-Sharing je nach Gegner. Gegen Darmstadt hätten wir mit Drobny z.B. wahrscheinlich nicht verloren, weil er seine Abwehr bei Standards besser stellt. Gegen Hertha in der Hinrunde hätten wir mit Adler wahrscheinlich besser da gestanden, weil er auf der Linie stärker ist. Spielaufbau gehört bei beiden nicht unbedingt zu den Lieblingsdisziplinen, jedoch haben beide diese Saison schon einen direkten Assist gesammelt. Mit anderen Worten: Für Spielaufbau braucht man auch Mitspieler, die die Bälle verarbeiten können.
Das Haupt“problem“ der beiden: Der Jüngere ist auch schon 31 und man kann nicht davon ausgehen, dass er wirklich 34 Spiele machen kann, man braucht also zwingend einen Bundesliga-erfahrenen Ersatz. Der Ältere hat vielleicht noch zwei gute Jahre vor sich, aber ob der geschundene Körper 34 Mal durchhält, weiß man nicht. (Erwähnte ich schon die Job-Sharing-Option?) Auf jeden Fall denkt sich die AG wohl, dass man bei der Verjüngung des Kaders mal bei den Torhütern anfangen sollte. Wenn man da jemanden unter 25 hat, fällt es im Durchschnitt nicht mehr so auf, dass man ansonsten bevorzugt Spieler um die 28/29 Jahre verpflichtet.
Und so kommt jetzt die Spekulation um Darmstadts Christian Mathenia auf. 24, Stammtorwart, wohl (insbesondere wenn D98 noch absteigt) relativ günstig zu haben. Klingt erstmal gar nicht so unlogisch. Die Fragen, die sich dann stellen: Ist Hirzel somit schon als zu leicht abgestempelt? Und vor allem: Warum als Nummer zwei hinter Adler? Adler gehört zu den Topverdienern (leistungsgemäß durchaus zu Recht), hat aber nur noch ein Jahr Vertrag. Wenn man also sparen möchte oder gar mit Plus aus der Nummer raus kommen will, dann ist jetzt der Zeitpunkt zum Verkauf. Eine Vertragsverlängerung dürfte dann auch vom Tisch sein, denn ein Bundesliga-Stammtorwart lässt sich sicherlich nicht mit der Aussicht locken, 3-4 Jahre lang der Notnagel zu sein. Klar, einem Verkauf müsste Adler auch erstmal zustimmen, aber wenn man ihm sagt, wir planen nicht mehr mit dir, dann lässt er sich bestimmt überzeugen, dafür ist Adler ehrgeizig genug und ich schätze ihn nicht als Typen ein, der dann seinen Vertrag einfach nur absitzt.
Die nächste Konsequenz: Wenn man jetzt einen 24-jährigen Torwart holt, ist die Position schon wieder für ein paar Jahre besetzt und Jakob Golz kann sich darauf einstellen, nach dem dualen Studium noch eine Banklehre zu absolvieren…
Und somit hab ich auch schon ein Saisonziel 2016/2017: Ich möchte gerne eine nachhaltige, sinnige Transferstrategie sehen, die ein sportliches Konzept, das unabhängig von sportlichen Leitern funktioniert, erkennen lässt.
NUR DER HSV!

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3 Responses

  • nedfuller says:

    Ahahahahahaaaahahahahaha

    Du meinst allen Ernstes, dass da was nachhaltiges raus kommt?
    Ich erinnere nur an das Argument für die Verpflichtung von Rene Adler: Wenn so ein Mann auf dem Markt ist, musst du zuschlagen. Gleiches bereitet man wohl bei Mathenia vor.

    Im Nachwuchstorhüter verjagen haben vorher der Verein und jetzt auch die AG genügend Praxis

    • Tanja says:

      Du weißt doch: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich wünsche mir einfach, dass wir mal bei Mainz etwas luschern und dann nachmachen. Da gibt es ein festes Konzept, welche Spiele man holt, welches System gespielt wird und dann ist es egal, ob Klopp geht, ob Tuchel geht usw. – es ist immer ein bestelltes Feld für den Nachfolger bereit. Das will ich auch! (Und wir wissen beide, dass der HSV weder den richtigen Direktor Profi-Sport noch den richitgen Trainer dafür hat.)

  • Dinge, die ich an dem angeblichen (bestätigt ist es ja nicht) Interesse an Mathenia nicht verstehe:

    1. Gesetzt den Fall, Darmstadt hält die Klasse – warum sollte Mathenia wechseln wollen? Das Geld kann es ja wohl nicht sein, wenn er noch weniger als Drobny verdienen soll.
    2. Ich kenne Mathenia nur dem Namen nach, höre aber, er sei kein erheblich modernerer Torwart als Adler oder Drobny.

    So gesehen würde ich das mal als Gerücht abtun, zumal es ursprünglich aus „Matz ab“ und seinen angeblichen Insiderinfos kommt.

    Falls aber Mathenia kommt und Adler – jetzt oder im Sommer 2017 – geht, dann habe ich zu Jakob Golz oder wer auch immer dann hinter Mathenia käme, vor allem eines zu sagen: Wenn er den Konkurrenzkampf mit der Nummer 1 scheut, wenn ihm nicht zuzumuten oder -trauen ist, sich gegen einen anderen Torwart durchsetzen zu wollen, dann hätte er nicht Torwart werden dürfen.

    Was im Übrigen so ziemlich dasselbe ist, was ich anlässlich der Adler-Verpflichtung im Rautenradio zu Florian Stritzel gesagt habe. Der mittlerweile 11 Einsätze für den Karlsruher SC vorzuweisen hat – in der Oberliga Baden-Württemberg.



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