Unsere Probleme hätte ich gerne

September 20th, 2015 | Posted by Tanja in Allgemein

„13 Jahre ein Sinnbild des Feinds
A.H. niemals ein Hamburger“
Eine Tapete mit dieser Aussage hielten gestern ein paar HSV-Fans im Stadion hoch. Es war das Heimdebüt von Aaron Hunt im Trikot des HSV gegen Eintracht Frankfurt. Und jetzt geht’s los… „Das sind keine echten HSVer!“, „Die akzeptiere ich nicht als HSV-Fans“, „Die sollten Stadionverbot bekommen!“ usw. Joah, kann man mal machen. Ernsthaft?! Ein OFC bestimmt jetzt, wer echter „HSV-Fan“ ist? Der Social-Media-Mob entscheidet, wer HSVer ist? Für Minderheiten-Meinungen gibt es jetzt Stadionverbot? Mir ist die Vergangenheit von Hunt relativ wumpe, so lange er sich hier benimmt. Dennoch ist in dem Spruch einiges an Wahrheit drin. Hunt hat 13 Jahre an der Weser gespielt und war über lange Strecken Gallionsfigur der Truppe. Und da er beim HSV kürzer Profi sein wird als in der verbotenen Stadt, bleibt er in der kollektiven Erinnerung ein Brähmer, niemals ein Hamburger. Das Spruchband allein sagt doch noch nichts darüber aus, wie sich die Verfasser tatsächlich gegenüber Hunt verhalten werden. Werden sie ihn beim nächsten öffentlichen Training zusammenschlagen? Wohl kaum. Werden sie ihn auspfeifen? Ich habe am Sonnabend im Stadion keine Pfiffe gegen HSVer gehört. Werden sie seinen Namen bei der Aufstellung nicht rufen? Das ist ihr gutes Recht, das mache ich bei Kacar auch weiterhin nicht.

Irgendwie scheint es mir, als suchten HSV-Fans einfach nur irgendwas zu meckern. Im Zweifel bieten sich da Andersdenkende immer an…

Mit Spiel und Ergebnis waren die meisten ja durchaus zufrieden. Die meisten… ich las heute auch schon wieder was von „das Spiel MÜSSEN die gewinnen“ (das „wir“ wird der Mannschaft von solchen Leuten nur angeboten, wenn gewonnen wird). Nur zur Erinnerung: Eintracht Frankfurt war in der Vorsaison am Ende auf Platz 9 mit 43 Punkten und einem Torverhältnis von -6. Wir waren 16. mit 35 Punkten und 25:50 Toren…
Insbesondere in der 1. Halbzeit habe ich gute Ansätze im Offensivspiel gesehen, da funktionierten die Lauf- und Passwege (das ist nicht mehr MEIN HSV…), das gefiel. In der zweiten Hälfte stellte Frankfurt dann geschickter die Räume zu und besann sich auch auf das eigene Offensivspiel, da hatten wir Glück Drobný, sonst wäre auch der eine Punkt futsch gewesen. Der Abknicker meinte gegen Ende des Spiels, es wäre ein typisches 0:0, das wir 0:1 verlieren. Ich konnte ihn beruhigen, weil ich mir 100% sicher war, dass wir dank Drobo zu Null spielen würden.
[Kleiner Exkurs: Der Kai hat in seinem Blog eine großartige neue Serie: Fußballmenschen. Ich durfte dort auch schon zu Wort kommen. Unbedingt mal reinklicken und auch die anderen Fußballmenschen lesen!]

Zurück zu meinem Lieblings-Tschechen: Jaroslav Drobný. Ich halte ihn für diese Abwehr für den besseren Torwart. Ja, Rene Adler ist ein sehr guter Torwart, der sicherlich in einigen Teilbereichen auch besser ist. Aber mit Drobný stehen wir bei Standards hinten sicherer, er kann seine Vorderleute besser ordnen. Vielleicht hilft es ihm, dass er eine Trainer-A-Lizenz hat, aber man sieht Drobo oft mit Djourou diskutieren, man sieht ihn dirigieren und seine Mitspieler stellen. Manchmal ist derjenige der bessere, der mit seinen Kollegen besser umgehen kann.

Letztlich ist das aber auch eine Luxus-Diskussion. Unsere Probleme möchte ich haben…

Festzuhalten nach Spieltag 5: Sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, sieben Punkte auf die direkten Abstiegsplätze. Nur das zählt!

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4 Responses

  • Lesenswert. Danke dafür. Besonders gefiel mir, dass Du eine Lanze für Andersdenkende brichst, auch wenn ich derartige Äußerungen wie in diese Fall heutzutage ziemlich albern finde.

  • Du fragst: „Der Social-Media-Mob entscheidet, wer HSVer ist?“ Ich frage zurück: Ein paar Kurven-Fuzzis entscheiden, wer „Hamburger“ ist?

    Aaron Hunt hat sich bisher absolut vorbildlich präsentiert, auf und neben dem Platz, mit Einsatz und Zurückhaltung in Interviews. Ich mag, dass er nicht so tut, als hätte ihm Werder nie am Herzen gelegen. Aber man merkt eben auch, dass er sich jetzt zu 100% auf den HSV konzentriert. So jemandem zu sagen, dass er „niemals ein Hamburger“ sein wird, ist dumm und arschlochig.

    Hat Aaron Hunt jemals etwas geäußert, dass ihn disqualifiziert hat, HSVer zu werden? Mir fällt nix ein und ich habe auch auf Twitter nichts dazu finden können. Allein die Tatsache, dass er lange Werderaner war reicht mir da nicht.

    Man kann für sich selbst gerne den Transfer ablehnen und sich weigern, den Namen des Spielers zu rufen, aber den Spieler bei seiner Heimpremiere mit so einem Schriftband zu konfrontieren ist das Allerletzte. Vor allem stellt man damit seine Befindlichkeiten über das Wohl des Vereins, den man doch zu unterstützen vorgibt.

    Aus dieser Aktion spricht für mich die Geisteshaltung absoluter Egoisten, die nicht für fünf Pfennig nachgedacht haben und nicht über den Tellerrand ihres ritualisierten Dumpfbacken- Fantums gucken können.

    Ich will Spieler, die kicken können, das HSV-Trikot mit Stolz tragen und alles für den Verein geben. Egal, woher sie kommen.

  • Pingback: #Link11: Goodbye, Dramaqueen | Fokus Fussball



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