Nur Geduld

März 14th, 2016 | Posted by Tanja in Allgemein

Ruhig ist es hier im Blog zuletzt geworden und das liegt nicht nur an meinem schlechten Gewissen, dass ich das Blogstöckchen der wunderbaren Wortpiratin immer noch nicht verarbeitet habe. Es liegt auch nicht am Themenmangel, da gäb’s genug rund um Leitbild, Bilanz und sonstigen Merkwürdigkeiten. Nein, es kommt so viel zusammen, dass ich im Augenblick eher genervt bin vom HSV und gar nicht so recht weiß, wo ich anfangen soll.
Wobei – Kritik ist beim HSV und seinem Umfeld auch nicht gewünscht. Wir brauchen Geduld, heißt es allenthalben. Sehr merkwürdig, bei der Ausgliederungsdebatte hieß es von gleicher Seite noch „Wir haben keine Zeit mehr!1elf!!“. Ich sehe ja ein, dass wir nach den vergangenen Jahren zufrieden sein können, nicht in unmittelbarer Abstiegsgefahr zu sein, aber reicht das? Der HSV war im vergangenen November zahlungsunfähig und konnte nur durch ein erneutes Kühne-Darlehen (das dann mal wieder in Anteile umgewandelt wurde) am Leben erhalten werden. Als der NDR die Schlagzeile brachte, hieß es von Fanseite nur, dass das ja ein alter Hut sei, wurde ja schließlich drei Wochen vorher auch in der Bilanz (verklausuliert) veröffentlicht. Ah, die Vereinsbosse geben (gezwungenermaßen) zu, dass die AG nahezu pleite ist, dann ist ja alles gut, kein Grund zur Aufregung, legen wir uns wieder schlafen.
Außerdem ist es ja alles die Schuld der Vorgänger. Man war gezwungen 60 Mio. an Ablösen (von Gehältern und Abfindungen reden wir erst gar nicht…) rauszuhauen, damit man abermals in die Relegation kommt bzw. jetzt im Mittelfeld der Tabelle rumhängt. Die Argumentation haben wir seit Jahren, es ist ein einziger Teufelskreis. Ohne sportlichen Erfolg gibt’s weniger Einnahmen, also wird auf Teufel komm raus in die Mannschaft investiert – schade nur, dass bei den Verpflichtungen kein Konzept ersichtlich ist.
Ich will keinem Spieler zu nahe treten, sie bringen ja durchaus Leistung, doch die Frage nach dem Preis-/Leistungsverhältnis muss gestattet sein, auch wenn die Spieler, das möchte ich betonen, weder etwas für ihre Ablösesumme noch etwas für ihr Gehalt können.
Lasogga – kam für 8,5 Mio., verdient ca. 3 Mio. im Jahr, hat mittlerweile weniger Muskelprobleme, aber dafür wohl eine derart labile Schulter, dass man die Panikleihe Drmic machte.
Apropos Drmic – Leihgebühr ca. 1,8 Mio. für sechs Monate, plus Gehalt, aus meiner Sicht weiterhin eine Blödsinnsaktion. „Kann ja keiner ahnen, dass Rudi noch mal so zurückkommt, da brauchte man einen Lasogga-Backup!“ Ja klar, Schipplock (Ablöse vor der Saison ca. 2 Mio.) ist damit offiziell ein Fehleinkauf, ebenso Olic (hat ja auch nur läppische 3,5 Mio. gekostet), Altintas scheint somit auch nur eine Verpflichtung für einen ehemaligen AR der AG zu sein, damit der seine „sportliche Kompetenz“ beweisen kann. Und es bleibt die Frage, warum niemand damit rechnen konnte, dass Rudnevs plötzlich wieder explodiert. Ich dachte immer, dafür haben wir eine hochqualifizierte sportliche Leitung, damit die solche Potenziale erkennt und weckt…
Achja, ich vergaß, Bruno Labbadia ist sowieso ausgeschlossen von jeglicher Kritik. Er ist total der Talente-Förderer (Maxi Beister! 10 Minuten, verteilt über zwei Spiele in der Saison 09/10 und jetzt Jung…), stellt immer nur nach Trainingsleistung auf (z.B. Hunt, der max. zwei Trainingseinheiten in der Woche mit der Mannschaft macht. Aber die Kritiker sind ja nicht immer beim Training dabei und haben deshalb ruhig zu sein) und überhaupt, er will ja eigentlich auch schönen, offensiven Fußball spielen lassen (nur die doofe Mannschaft kann das nicht, s.o.)! Ernsthaft: Ohne Labbadia wären wir vergangene Saison abgestiegen, keine Frage. Labbadia hat eine gewisse Struktur in die Mannschaft gebracht, stimmt. Aber es bleibt die Frage, ob er wirklich langfristig die optimale Lösung für den HSV in der jetzigen Konstellation ist. Und um die Frage positiv zu beantworten, muss Bruno sich an der Entwicklung der Mannschaft messen lassen und auch an der Quote der Nachwuchsspieler, die er an die erste Mannschaft heranführt. Jaja, ich weiß, wenn der Unterbau zu schlecht ist, kann Bruno da ja auch nix machen und mit Porath, Feka und Köhlert sind drei Mega-Talente auf dem Sprung… Schon mal was von „Local Player“ gehört? Das sind die Vertragsamateure von heute, sie haben einen Profivertrag, spielen aber in der Regel nur für die 2. Mannschaft und sind von den DFL-Statuten vorgeschrieben.
Aber das ist ja alles viel zu negativ, und deswegen wurde ja auch die Mitgliedermitbestimmung abgeschafft, damit die Fans jetzt immer alles rosig sehen und ja keine Kritik mehr aufkommt. AG fast pleite, e.V. haftet noch für den Fall der Insolvenz und wäre damit auch tot, Team (Mannschaft, Trainer, Vorstände und Mitarbeiter) kostet 60 Mio. Gehalt im Jahr und dümpelt im Mittelfeld – alles super.
Hat was von einem Chirurgen, der eine Herztransplantation machen soll, aber nur die Leber austauscht, aber hey, der Patient lebt ja noch, also ist alles richtig gemacht worden. Um dann doch noch das lädierte Herz zu ersetzen, braucht es dann weitere Millionen, aber KlauMi wird’s schon richten. Und wenn nicht, dann verkaufen wir eben noch mehr Anteile, auch über die 24,9% hinaus. Die Mitglieder werden schon zustimmen, wenn es ums Überleben geht und wenn nur damit gedroht wird, dass ansonsten das Stadion verkauft werden muss. Nur Geduld…

Na denn, bleibt mir nur noch zu sagen: Flo, Tim, Astrid, Maik – ich vermisse euch! Kai, Tom, Sven – danke, dass ihr noch da seid!
NUR DER HSV!

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6 Responses

  • Sascha says:

    Ich habe selten so viel Mist gelesen. Ausser bei HSV Arena.

  • Haha, der Erfüllungskommentar in Sachen „Keine Kritik, bitte!“ war gerade mein erster Lacher des Tages, ansonsten: Meine Geduld hast du. Und deinen HSV-Kummer, verbunden mit diesem „Wohin geht die Reise?“-Gefühl, kann ich gut verstehen.

  • Pingback: #Link11: The Sound Of Silence | Fokus Fussball

  • abiszet says:

    Hi Tanja, ich komme aus dem Süden und mir kommt das alles bekannt vor 😉 Bruno hat den VfB auch gerettet, ja das kann er. Aber entwickeln kann er keine Mannschaft und er hat auch keinen untrüglichen Blick für Spieler (zB in Stuttgart Tunay Torun, Sercan Sararer, Okazaki). Was er wirklich gut kann, ist Ausreden finden und um Geduld bitten, in Stuttgart hieß das immer „Wir müssen wissen, wo wir her kommen“, „Wir müssen demütig sein“.
    Was mich wirklich nachdenklich beim HSV macht, ist die finanzielle Schieflage nach der Ausgliederung. Um finanziell wettbewerbsfähiger zu sein, hat der HSV ja ausgegliedert. Hier in Stuttgart wird das seit Monaten mit den Fans und Mitgliedern die Ausgliederung diskutiert, ohne dass ich den Eindruck habe, der VfB hätte ein Konzept. 24,9% an Mercedes verkaufen, einmal Geld einsacken. So siehst aus. Das ist wie Filip Kostic verkaufen.
    Ich drücke Euch die Daumen!

    • Tanja says:

      Hi! Du bestätigst damit den Eindruck, den ich von Brunos Arbeit in Stuttgart (mit-)bekommen habe. Vielleicht hat er ja dazu gelernt, dann lasse ich mich gerne positiv überraschen, aber kritisch begleiten und beäugen werde ich Labbadias Arbeit weiterhin.
      Zum Thema Ausgliederung: Da klang es während des Wahlkampfes rund um HSV Plus hier auch so, als würden die strategischen Partner nur so Schlange stehen und sich sofort engagieren, sobald die Ausgliederung vollzogen wurde. Übrig geblieben ist davon nur Kühne und auch der Anteilsverkauf geschah zu einem wesentlich geringeren Betrag, als man das im Wahlkampf noch annahm. Das lag sicherlich nicht nur an Wahlkampf-Versprechen, sondern auch an der sportlichen Situation, trotzdem ist ein Anteilsverkauf definitiv nicht der Weisheit letzter Schluß, vor allem wenn er, wie bei uns, aus der finanziellen Not heraus geschieht. Ich kann euch nur den Tipp geben, egal auf welcher Seite ihr steht: Glaubt nicht alles, was euch in der Ausgliederungsdebatte vorgesetzt wird! Letztlich ist es wie immer in der (Vereins-)Politk viel Wahlkampfgetöse, das man am Ende ca. um 75% eindampfen kann. Und lasst euch nicht unter Zeitdruck setzen, sucht in Ruhe die für alle Beteiligten (und sei es „nur“ emotional beteiligt) die beste Lösung. Aus meiner Sicht, auch mit den jetzt gemachten Erfahrungen, ist die Aufgabe jeglicher Mitbestimmungsrechte der Mitglieder sehr riskant, weil die Mitglieder immer noch ein sehr wirksames Regulativ bilden. Ich drücke euch auf jeden Fall die Daumen, dass bei euch der ganze Prozess konstruktiver verläuft als bei uns!



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